Fünf Wintersportmarken, die umwelt- und ressourcenschonend denken und produzieren

Trotz Klimawandel und ungewisser Schneelage: das Thema Wintersport boomt auch in dieser Saison. Skigebiete expandieren und die Industrie kündigt ein neues Produkt nach dem anderen an. Neben den Klassikern Ski Alpin und Snowboarden finden Aktivitäten wie Skitourengehen oder Schneeschuhwandern stetig neue Anhänger. Selbst das gute alte Langlaufen ist aus dem Winterschlaf erwacht und mausert sich unter dem Label “Cross-Country Skiing” aktuell zu dem Trend überhaupt.

Dass diese Begeisterung sowohl für die Tourismusverantwortlichen als auch für Naturschutzverbände einige Herausforderungen bereithält, haben wir in unserem Interview mit dem Deutschen Alpenverein bereits beleuchtet. Aber nicht nur die großen Player können das Thema beeinflussen und in die entsprechend umweltbewussten Bahnen lenken, auch jeder Einzelne kann seinen persönlichen Beitrag leisten.

Neben diversen Verhaltensregeln zu Fragen wie “Wo sollte ich abseits der Piste nicht abfahren?” oder “Wohin gehört mein Müll?” kann auch bei der Wahl des Equipments am eigenen ökologischen Fußabdruck gearbeitet werden. In unserem Artikel “Werkstoff Holz: Nachhaltige Bretter, die die Welt bedeuten” haben wir bereits einige Spielzeuge aus der Welt der Board-Sportarten vorgestellt. Pünktlich zum Start der Wintersaison haben wir uns nun fünf Marken aus der Kategorie Wintersport herausgepickt, die sich Nachhaltigkeit und Umweltschutz auf die Fahne geschrieben haben.

Nachhaltig unterwegs auf zwei Brettern

Der Faktor „Öko-Effektivität“ beschreibt, wie umweltverträglich ein Produkt tatsächlich ist. Je weniger Umweltbelastungen von der gesamten Produktionskette ausgehen, desto öko-effektiver ist das finale Produkt. Einen eben solchen öko-effektiven Ansatz verfolgt die Ski-Manufaktur Grown: Die Bretter der Schweizer bestehen zu mehr als 70 Prozent aus dem Rohstoff Holz, angebaut und geschlagen in nachhaltig bewirtschafteten europäischen Wäldern. Sie werden mit einem auf Kiefernharz basierenden Leim verklebt und mit einem Gewebe aus Basaltgestein verstärkt. Kohle- und Glasfasern sucht man vergebens. Das Konzept scheint aufzugehen, die edlen Bretter der Ski-Schmiede präsentieren sich stilsicher im minimalistisch geprägten Oldschool-Look und wurden unter anderem mit dem ISPO-Award 2018 ausgezeichnet.

Ski von Grown bestehen zu 70 Prozent aus Holz
Nachhaltig und minimalistisch sind die Bretter von Grown – Fotocredit: Grown

Bunt und ökologisch

Stylische, bunte und trotzdem nachhaltige Outerwear mit einem starken Wintersportfokus gibt es bei Picture Organic Clothing. Für die drei Gründer des französischen Labels stand von Beginn an fest: Das Sortiment soll durch die Bank weg ihren eigenen hohen ökologischen Ansprüchen genügen. Die Kollektionen der Marke werden daher ausschließlich aus hundertprozentig recycelten, organischen oder bewusst ausgewählten Materialien hergestellt. Ob in Teilen lokale Produktion, Weiterverwertung von Produktionsabfällen, eine App, mit deren Hilfe Picture mehr über den Impact ihrer Produkte über deren kompletten Lebenszyklus hinweg lernen möchte, oder ein Rucksack, der sich am Ende seiner Karriere in mehrere kleine praktische Produkte zerlegen lässt: das Thema Nachhaltigkeit wird bei den Franzosen komplett ganzheitlich angegangen und aus echter Überzeugung heraus gelebt.

Bunt und ökologisch – Picture Organic Clothing
Stylisch, bunt und nachhaltig – Fotocredit: Picture Organic Clothing

Gewachst für die Ewigkeit

Nichts anderes als eine Revolution des Ski-Alltags verspricht das Wachs „Phantom 2.0“ des Herstellers DPS: nie wieder einen Ski oder ein Snowboard wachsen müssen. Neben der Tatsache, dass eine permanente Lösung für alle Schneeverhältnisse tatsächlich die Welt des Wintersports auf den Kopf stellt, sammelt man mit dem Phantom Glide auch einige Punkte auf dem Nachhaltigkeitskonto. Denn getreu dem Motto: „Today’s snow is tomorrow’s water“ ist Phantom im Gegensatz zu herkömmlichem Ski- und Snowboardwachs wesentlich umweltfreundlicher. Es beinhaltet keine giftigen Chemikalien, verursacht keine biologischen Schäden und stellt laut Hersteller kein Umweltrisiko dar. Darüber hinaus ist es für die Gesundheit der Menschen, die täglich mit dem Material arbeiten, ungefährlich.

Einmal und nie wieder – Phantom 2.0
Permanent und umweltschonend – Phantom 2.0 im Einsatz – Fotocredit: DPS

The greenest board ever made!

Nachhaltige Boards aus dem Naturmaterial Holz gibt es beim Brettsport-Label Anticonf. Für ihre Snowboards werben die Schweizer mit dem vielversprechenden Claim: „The greenest board ever made!“. Die Hauptbestandteile der Bretter sind Bambus anstelle von tropischen Hölzern, Kork als Alternative zu synthetischen Schaumstoffen und Flachsfasern, um die üblichen Carbonfasern zu ersetzen. Auch mit Blick auf die Harze wird bei Anticonf auf neue, nachhaltige Materialien gesetzt: geleimt wird mit einem Mix aus kompostierter Biomasse und recycelten Industrieabfällen. In der richtigen Kombination verbaut, entsteht ein Board, das herkömmlichen Bauweisen in puncto Performance in nichts nachsteht und auch optisch eine gute Figur macht.

Nachhaltige Boards aus dem Naturmaterial Holz
The greenest boards ever made! – Fotocredit: Anticonf

100 Prozent recyclebar

Kleidung für Winter-und Bergsport von der Küste? Völlig selbstverständlich für das Kieler Outdoor-Label Pyua. Sowohl das Meer als auch die Berge stehen aus Sicht der Nordlichter für extreme Wetterbedingungen, Naturgewalten und Wasser in all seinen Aggregatzuständen. Und beide Naturräume gilt es zu schützen. Deshalb setzt man bei Pyua auf einhundert Prozent recyclebare Bekleidung, die ausschließlich in Europa produziert wird. Mehr noch: schon bei der Herstellung wird nur wiederaufbereitetes Polyester verwendet. Darüber hinaus will die Textilschmiede durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern und dem im Unternehmen eigens entwickelten „Closed Loop Recycling“ sicherstellen, dass möglichst wenig abgelegte Stücke auf der Mülldeponie landen, sondern wieder in den Produktionskreislauf fließen.

Einhundert Prozent recyclebare Outerwear von Pyua
Bergsportbekleidung von der Küste – Fotocredit: Pyua