Super Mario: Die Erfolgsgeschichte des kleinen italienischen Klempners

Die Geschichte von Nintendo steht und fällt mit dem ikonischen Klempner Mario, der mit Hilfe eines Pilzes zu Super Mario wird. Mario, dem man auf den ersten Blick wohl nur wenig Heldenhaftes zuschreiben würde, ist die populärste Videospielfigur der Firma Nintendo und zugleich auch deren Maskottchen. Mit über 295 Millionen verkauften Einheiten sind die Spiele rund um den Italo-Handwerker die bisher erfolgreichste Videospielreihe überhaupt. Anfang der 2000er Jahre erhielt Mario sogar einen Stern auf dem Walk of Game in San Francisco. Nicht erst mit dieser Auszeichnung wurde klar, dass Mario und sein Team ein popkulturelles Phänomen sind, das auch abseits der diversen Spielekonsolen eine wichtige Rolle spielt.

Wie alles begann

Am 13. September 1985 kam in Japan ein Videospiel für die – Famicom genannte – Spielkonsole von Nintendo auf den Markt, welches die Spielewelt und die weltweite Popkultur massiv beeinflussen sollte. Ab 1987 gab es das Spiel auch für das Famicom-Pendant, das Nintendo Entertainment System, besser bekannt als Nintendo NES, auf dem europäischen und amerikanischen Markt zu kaufen. Doch was war so besonders an diesem Spiel?

Der Spieler übernimmt die Rolle des Klempners Mario, der Hindernisse überwinden und Gegner bezwingen muss, um Prinzessin Toadstool, heute nennt sie sich Peach, aus den Fängen von König Koopa, heute Bowser, zu befreien. Dazu rennt und springt Mario durch zweidimensionale – in Seitenansicht dargestellte – Spielwelten. Zocker der ersten Stunde kannten Mario damals bereits aus den Spielhallen, in denen er bereits 1981 bzw. 1983 in den Spielen „Mario Bros und „Donkey Kong“ seinen ersten Auftritt hatte. Damals war er allerdings noch der namenlose Charakter eines Games, was sich jedoch bald änderte.

„Super Mario Bros.“ ist bis heute eines der einflussreichsten Videospiele aller Zeiten. Es hat das Jump-n-Run-Genre wesentlich geprägt und diente vielen Entwicklern und Publishern als Inspiration für eigene Games. Mit dem Spiel belebte Nintendo noch dazu den Videospielemarkt in Nordamerika wieder, der 1983 erstmals stagnierte und später sogar fast ganz zusammenbrach. Zu dieser Zeit wurde Mario sogar noch bekannter als Mickey Mouse.

Welche Bedeutung das Spiel hat, wurde erst kürzlich wieder deutlich: Eine neue und noch versiegelte Super Mario Bros. Cartridge wurde für $100.000 an eine Gruppe von Sammlern versteigert. Eine Rekordsumme. Laut eines Gutachters spielten bei der Auktion im Februar 2019 die künstlerische und historische Bedeutung des Spiels eine Rolle sowie der hervorragende Zustand des Spiels.

In Zeiten, in denen Nintendo seine alten Konsolen als „Classic Mini“-Editionen mit rund 20 vorinstallierten Spielen in den Handel bringt und aktuelle Spiele mit Donkey Kong und Mario auf der Nintendo Switch reißenden Absatz finden, sind die wirklichen Klassiker – die „Retro“-Spiele – immer noch so beliebt wie in den 80er Jahren. Im E-Shop von Nintendo kann man bereits seit Jahren Spielhallen-Klassiker auf Konsolen wie die Wii U oder Switch herunterladen und endlich in Ruhe spielen – ohne dauernd Münzen nachwerfen zu müssen. Es scheint also einen Markt für nostalgische Menschen zu geben, die den simplen Zockerspaß lieben – egal, ob man die Games 15 Minuten spielt oder ein paar Stunden.

Die Mario Evolution
Super Mario: heiß geliebt seit 1985 – Fotocredit: Nintendo

Die Faszination Super Mario

Aber was macht Mario so besonders und wie konnte der lustige Klempner zu einem popkulturellen Phänomen werden, welches heute – mehr als 30 Jahre später – noch immer eine Rolle im Leben von Millionen von Menschen spielt?

Ok, Mario war anfangs gar nicht Mario, sondern Jump-Man, und damit 1981 eigentlich nur als pixeliger Hauptdarsteller im Spielhallen-Klassiker Donkey Kong unterwegs, die Prinzessin zu retten. Das wissen wir ja bereits. Eigentlich sollte Mario „Popeye“ sein und in einem lizensierten Spiel keine Prinzessin, sondern seine Freundin Olivia retten. Doch Nintendo verlor die Lizenz während der Produktion des Spiels und darum haben die Designer aus Popeye den kleinen Italiener gebastelt und aus Olivia die Prinzessin, um das Spiel trotzdem irgendwie in die Spielhallen bringen zu können. Die wohl schlaueste Entscheidung, die Nintendo jemals getroffen hat und damit auch der pixelige 2D-Grundstein für ein ganzes Genre.

Seinen Italo-Klempner-Look aus Latzhosen, Mütze und Bart verpasste man ihm übrigens nur aufgrund der limitierten Möglichkeiten der Grafikdarstellung. Nur so konnte man überhaupt zwischen Beinen, Körper und Kopf unterscheiden. 8-Bit eben.

Super Mario ist zudem eine neue Art von Videospiel. Es ging hierbei nicht um das Erreichen eines Highscores wie beispielsweise bei PacMan oder anderen Games der damaligen Zeit. Sondern es gab ein Ziel und damit auch ein Ende. Das Design der Levels, welche weit über das bisher Bekannte hinaus gingen, trug außerdem dazu bei, Kids und Erwachsene gleichermaßen zu begeistern.

Um unsere eigentliche Frage zu beantworten, kann man Folgendes festhalten: Der mediale Impact und der Erfolg, den die NES-Konsole und das damals mitgelieferte Spiel „Super Mario Bros.“ weltweit verursachte, hat Mario in die Köpfe der Menschen gebrannt. Das NES war die erste echte Spielekonsole und Mario der Protagonist einer neuen Form von Videospiel. Von etwas, das man zuvor so noch nicht kannte. Außerdem konnte man ihn beim Namen nennen und in Gesprächen immer wieder erwähnen. So wie einen Kumpel, der für einen durch verschiedene Welten hüpft und Abenteuer erlebt.

Super Mario
Der Klempner unserer Herzen – Fotocredit: Nintendo

Das Erfolgsrezept

Seine konstante Berühmtheit bis in die Jetztzeit verdankt Mario zudem stetiger Erfolge und der Tatsache, dass die bekannten Spiele zwar technisch und optisch verfeinert wurden, man aber immer wusste, wie ein Spiel mit Mario zu spielen ist. Auch „Mario Kart“ war von der Steuerung sofort nachvollziehbar, auch wenn es hierbei darum ging, ein Fahrzeug zu steuern und ein Rennen zu fahren. Games mit ihm als Hauptfigur hatten immer ein simples Spielprinzip, in das sich leicht einsteigen ließ. Nur aus diesem Grund wurden auch Spiele wie „Angry Birds“ so erfolgreich: Keep it fun and simple.

Mario bietet in seinen Spielen immer eine leichte Einfindungsphase, ohne dabei auf eine gewisse Herausforderung oder gar Anspruch zu verzichten. Besonders neuere Games der Franchise sind eine gute Mischung aus einem eigentlich komplexen, sich ständig ändernden Videospiel und einer kleinen, schnellbegreiflichen Smartphone-App. Somit ist der Name „Mario“ in Bezug auf Videospiele quasi ein Garant für hochwertiges, aber einfach zu verstehendes Gaming.

Der dritte Grund für den popkulturellen Erfolg des Italo-Klempners und auch der anderen Protagonisten ist die konstante Weiterentwicklung der Grafiken. Der Mario von heute, der einem von Tassen, Bettwäsche, Schlafanzügen, T-Shirts oder Brotboxen entgegen lacht, hat optisch nur noch wenig mit der pixeligen Gestalt von vor 30 Jahren gemein. Die Tatsache, dass die älteren Semester seinen Werdegang verfolgt haben und die jüngere Generation auf bunt und süß steht, trägt maßgeblich dazu bei, dass man Mario auch in anderen Bereichen seines Lebens dabeihaben möchte. Mario ist ein verlässlicher Kumpel, der sich – genau wie die Fans der ersten und zweiten Stunde – weiterentwickelt hat, aber eigentlich der Typ von früher geblieben ist. Heute nur bunter und massentauglicher.

Das für uns beste „Super Mario Bros.“ Spiel ist kürzlich erst für die Nintendo Switch überarbeitet auf den Markt gekommen. Obwohl wir es größtenteils schon kannten. „New Super Mario Bros U: Deluxe“ ist quasi eine optische und technische Weiterentwicklung der Wii U Version. Die Levels sind nahezu gleich – dennoch verkauft sich dieser neueste Release aktuell wie geschnitten Brot. Besonders, weil sich die aktuelle Konsole von Nintendo stark auf die Familie als Ganzes ausrichtet und sich – nach einem kurzen Tief nach der Veröffentlichung – zu einem der beliebtesten Geschenke Weihnachten 2018 entwickelt hat.