PACESETTER hat den Spielehit des Jahres Red Dead Redemption 2 schon einmal angespielt.

Darauf haben Gamer jahrelang sehnsüchtig gewartet: Am 26. Oktober erscheint mit Red Dead Redemption 2 das wohl meisterwartete Videospiel des Jahres. Der Vorgänger aus dem Jahr 2010 gilt mit seiner hollywoodreifen Inszenierung, der dichten Atmosphäre, der frei erkundbaren Spielwelt und nicht zuletzt dem bombastischen Soundtrack als Meilenstein der Videospiel-Geschichte. Mit rund 14 Millionen verkauften Exemplaren ließ der erste Teil weltweit die Kassen klingeln. Auch beim Nachfolger schickt das Entwicklerstudio Rockstar Games den Spieler in den Wilden Westen, wo zahlreiche Aufgaben und Abenteuer warten.

PACESETTER ergatterte einen der begehrten Preview-Termine und konnte das Spiel des Jahres bereits exklusiv vor Veröffentlichung anspielen.

Van-der-Linde-Gang
Die Van-der-Linde-Gang – Fotocredit: Rockstar Games

Die Handlung des Spiels ist recht schnell erzählt, spiegelt aber in keinster Weise die Tiefe und Erzähldichte wieder, die den Spieler auf seinen Abenteuern im wilden Westen erwarten. Wir schreiben das Jahr 1899, damit spielt der Titel als Prequel vor der Story des ersten Spiels. Gesetzeshüter machen im ganzen Land Jagd auf die letzten verbliebenen Outlaw-Gangs. Der Gamer schlüpft in die Rolle von Arthur Morgan, seines Zeichens Mitglied der berüchtigten Van-der-Linde-Gang, eine bunt zusammengewürfelte Truppe Gesetzloser und Verstoßener, die von Dutchs großem Traum von einem Leben frei von Gesetz und staatlichen Eingriffen zusammengehalten wird. Egal ob Revolverheld, Betrüger, Revolutionär oder Ausreißer – alle haben ihre höchsteigenen Gründe, warum sie sich der Gang angeschlossen haben. Diese lebendige Gemeinschaft besser kennenzulernen, ist ein elementarer Teil des Spielerlebnisses. Während Bundesagenten und Kopfgeldjäger ihnen dicht auf den Fersen sind, muss sich die Gang einen Weg durch das erbarmungslose Herz Amerikas bahnen, immer das große Ziel vor Augen.

Eine Frage der Ehre und der Kommunikation

Arthur wurde als junger Mann von Dutch van der Linde in die Gang „adoptiert“. Sie ist für ihn so etwas wie Familie, stellt sie doch in vielerlei Hinsicht das einzig Positive und die Konstante in seinem bisherigen Leben dar. Daher verhält er sich ihr gegenüber zutiefst loyal. Arthur wird also alles Nötige tun, um die Gang zu schützen und für sie zu sorgen. Er verlässt sich zudem darauf, dass Dutch die richtigen Entscheidungen für die Truppe trifft und ist oft derjenige, der dessen Pläne in die Tat umsetzt. Arthur ist einerseits ein Pragmatiker und Mann der Tat, hat aber andererseits seine eigene Vorstellung von Ehre.

Der Aspekt der Ehre ist dabei ein zentrales Element und in die Spielmechanik integriert. Sie arbeitet im Hintergrund und beeinflusst zu jedem Zeitpunkt die Interaktionen mit der Welt und ihren Bewohnern. Mit anderen Worten: obwohl Arthur ein Outlaw ist, so ist es dennoch die Entscheidung des Spielers, wie er sich verhält und wie er auftritt. Die Ehre ist abhängig von den getroffenen Entscheidungen und sorgt für verschiedene Konsequenzen und unterschiedliche Möglichkeiten im weiteren Spielverlauf. Dies ist ein Kunstgriff, den nur ein Videospiel ermöglicht: Moralische Dilemmata – und davon gibt es nicht wenige in Red Dead Redemption 2 – nicht vorzuführen, sondern erfahrbar zu machen.

Wilde Gefechte sind an der Tagesordnung – Fotocredit: Rockstar Games

Die Bandenmitglieder verfolgen sehr genau die Geschehnisse, in die jeder einzelne von ihnen verwickelt wird. Arthur erlebt und erfährt jedes Detail des Outlaw-Lebens mit ihnen gemeinsam. Dementsprechend wissen sie stets über Arthurs Aktivitäten und Missionen Bescheid und werden ihn darauf ansprechen, sein Verhalten kommentieren oder sich zu Meinungsverschiedenheiten äußern. Diese Dialoge sind kontextabhängig: Spricht man beispielsweise eine Person direkt nach einem Streit an, ist diese immer noch aufgebracht. Alle Konversationen finden direkt in der Spielwelt statt, nicht wie in anderen Spielen in statischen Menüs oder Dialogbäumen. Im Lauf der Zeit bekommt man so nicht nur ein Gefühl für die Beziehungen des Protagonisten Arthur und Spannungen innerhalb der Gruppe, was ebenfalls Einfluss auf die weitere Handlung hat, sondern entwickelt als Spieler Sympathien oder eben auch Antipathien für diese detailliert ausgearbeiteten Charaktere.

Grenzenlose Freiheit

Viele Liebe zum Detail steckt nicht nur in den Protagonisten, sondern auch in der Spielwelt selbst. Über sechs Jahre Entwicklungszeit flossen in das neue Western-Epos:

Red Dead Redemption 2 umfasst eine riesige Bandbreite amerikanischer Landschaften, die nahtlos ineinander übergehen und wo sich das Wetter schlagartig ändern kann – von schneebedeckten Berggipfeln, Sümpfen oder Steppen, über schlammverdreckte Ortschaften und schnell wachsende Städte, bis hin zum Grenzland im Südwesten: überall erwarten den Spieler eine Vielzahl von Aktivitäten, Missionen und Spieloptionen, die zu der jeweiligen Region passen. Das Wild-West-Szenario ist zudem mit etwa 200 Tierarten gespickt. Jede davon soll individuelles und artentypisches Verhalten an den Tag legen. So treten Hirsche, Bisons und Gabelböcke etwa stets in großen Herden auf und bahnen sich gemeinsam ihren Weg durch die Prärie.

Die Landschaften aus "Red Dead Redemption 2"
Grenzenlose Weiten – Fotocredit: Rockstar Games

Der Entwickler Rockstar Games ist bekannt für seine sogenannten „Open World“-Titel, also Spiele mit einer nicht-linearen Erzählstruktur, bei denen man eine riesige, größtenteils offene Welt erkunden kann. Die Faszination entsteht durch die Kulisse und die Möglichkeit der schier grenzenlosen Freiheit. Auch die bekannte und weltweit erfolgreiche Grand Theft Auto-Reihe, mittlerweile ein anerkanntes Phänomen der Popkultur, stammt aus der Feder der Rockstar Kreativen. In den Entwicklerstudios hat man sich zum Ziel gesetzt, Welten mit eigener Atmosphäre und eigenen Orten zu erschaffen, in denen man nicht nur spielt, sondern in die man jederzeit gerne zurückkehrt, um eine gute Zeit zu haben. Technisch sollen sie so nahtlos und konsistent wie möglich gestaltet sein, damit der Spieler sie frei erkunden und einen Charakter im Laufe seiner Entwicklung begleiten kann. Red Dead Redemption 2 ist nicht nur Genre-Referenz, sondern Benchmark dafür, was aktuell in Sachen Videospiele technisch machbar ist.

Charaktere mit Charakter

Letztendlich sind es eben jene Charaktere, die den besonderen Reiz dieses Spiels ausmachen. Parallel zur Erzählstruktur sind diese nämlich ebenfalls nicht-linear, sondern werden ähnlich wie in bekannten und erfolgreiche Serien auf den einschlägigen Plattformen behutsam aufgebaut: mal tiefgründig, mal innerlich zerrissen, mal geheimnisvoll. Sie ändern sich, zeigen neue Facetten und entwickeln sich mit fortschreitendem Spielverlauf steig weiter. Titel wie Red Dead Redemption 2 sind wie Serien, nur dass man selbst Teil der Geschichte und der Handlung ist, in deren Zuge man sich anpasst oder verändert. Nicht erst durch Filme wie „Django Unchained“ erlebt das Western-inspirierte Outlaw-Gerne ein sanftes Revival. Betrachtet man in diesem Zusammenhang das Wild-West-Szenario selbst als filmisches Ur-Format, dann zitiert Red Dead Redemption 2 nicht nur einen, sondern gefühlt alle Western. Die Entwickler können sich auf einen wahren Zeichen- und Zitatenschatz stützen, den Hollywood in über hundert Jahren Filmgeschichte angehäuft hat. Oder mit anderen Worten: Wenn Quentin Tarantino Videospiele produzieren würde, dann wäre er wohl Entwickler bei Rockstar Games.

Die Charaktere aus "Red Dead Redemption 2"
Charaktere mit Charakter – Fotocredit: Rockstar Games

Wer wissen möchte, wie das ganze in Bewegtbild aussieht, hier geht's zum Trailer: