PACESETTER im Interview mit Célia Martin

Am Wochenende fieberte die internationale Motorsportgemeinde in Mexiko-City dem zweiten Lauf der Jaguar I-PACE eTROPHY, der weltweit ersten Rennserie für rein elektrische Serienfahrzeuge, entgegen. Dieser neugeschaffene Markenpokal ist offizielles Support-Rennen zum jeweiligen Lauf der ABB FIA Formel E-Saison 2018/19.

Für das Viessmann Jaguar I-PACE eTROPHY Team Germany ging Célia Martin im neu designten Jaguar I-PACE eTROPHY an den Start. Vorab fand sie jedoch noch ein wenig Zeit, um mit PACESETTER über den Rennsport, die Liebe zur Geschwindigkeit und natürlich den Jaguar I-PACE* zu sprechen.

Vom Schreibtisch hinters Steuer – Du hast ja eigentlich Rechtswissenschaften studiert. Wie kamst Du zum Rennsport und was magst Du an deinem Job ganz besonders?

Ich habe in Teilzeit als Event-Managerin gearbeitet und dementsprechend auch Produktvorstellungen in der Automobilbranche sowie Motorsport-Events betreut. Das war zugleich das erste Mal, dass ich mit so leistungsstarken Serienfahrzeugen in Berührung gekommen bin. Als mich ein Freund, der Fahrtrainings gibt, gefragt hat, ob ich nicht mal ein paar Runden mit ihm auf der Nordschleife drehen will, war es um mich geschehen. Ich wusste, dass ich nichts anderes mehr machen will – das war 2014, der Rest ist Geschichte.

Célia Martin und der Jaguar I-PACE eTROPHY
Vom Schreibtisch hinters Steuer – Fotocredit: Jaguar

Wie ergeht es Dir als Frau in dieser Männerdomäne?

Am Anfang war es alles andere als einfach, sogar fast ein bisschen einschüchternd. Aber ich mag die Atmosphäre eines gemischten Teams. Gerade in unserem Sport können Männer und Frauen problemlos nebeneinander antreten – man hat die gleichen Chancen.

Célia, Du bist Testfahrerin für Jaguar Land Rover und Pilotin des Jaguar Renn-Taxis F-Type SVR*. Nun sitzt Du hinter dem Steuer des I-PACE eTROPHY für das deutsche Team. Wie fühlt es sich an, Teil dieses Teams zu sein?

Ich mag den Pioniergeist von Jaguar, gerade wenn es um Elektromobilität und ein eigenes Rennformat geht. Jaguar hat das Potential der Formel E verstanden und engagiert sich außerdem intensiv im Wettbewerb. Jaguar blickt noch dazu auf eine faszinierende Rennsportgeschichte zurück. Dementsprechend ist es großartig, Teil dieses Teams zu sein. Für meine Karriere war das ein sehr wichtiger Schritt. Ich bin Jaguar Land Rover Deutschland sehr dankbar, dass sie mir diese Möglichkeit gegeben haben.

Was magst du an dem Rennformat besonders?

Mir gefällt die Tatsache, dass die Jaguar I-PACE eTROPHY ein echter Markenpokal ist. Für uns ist das eine super Werbung, denn es geht hier um das fahrerische Können an sich. Jeder konkurriert nun mal mit dem gleichen Auto. Außerdem ist das Rennformat sehr anspruchsvoll, da alles innerhalb von 24 Stunden über die Bühne geht. Körperliche Fitness ist hier das A und O. Die körperliche Verfassung von uns Rennfahrern wird gerne Mal unterschätzt. Man kann sich kaum vorstellen, welche Energie der Körper benötigt, um für die komplette Renndauer die maximale Konzentration aufrecht zu erhalten. Es ist daher umso wichtiger, dass wir auf ein Maximum an Kraft und Fitness zurückgreifen können, um ein Rennen sauber und konzentriert zu Ende zu fahren.

Hinter dem Steuer fühlt sich Célia am entspanntesten – Fotocredit: Jaguar

Was hast Du Dir für diese Saison als Ziel gesetzt?

Jaguar gibt mir die Möglichkeit, mein fahrerisches Können auszubauen. Es gibt in dieser Saison erfahrene Profifahrer im Feld, die auch außerhalb der Jaguar I-PACE eTROPHY hinter dem Steuer sitzen. Auch das hilft mir, meine Fähigkeiten zu verbessern. Ein Rennen zu gewinnen, ist natürlich ein absoluter Traum, aber es ist auch erst meine erste richtige Rennsaison. Also mal sehen, was die nächsten Rennen bringen werden.

Beim Auftaktrennen in Riad bist Du Elfte geworden. In Mexiko hast du am Wochenende zwischenzeitlich Platz zwei der Pro Am-Wertung belegt, bevor du leider ausgeschieden bist. Hat das Deine Begeisterung etwas eingebremst oder motiviert es Dich erst recht, alles zu geben? 

Ach, meine Begeisterung hat das nicht eingebremst, im Gegenteil. Beide Rennen haben mir gezeigt, was ich optimieren kann und dass ich vor dem nächsten Start einfach noch mehr Zeit in die Vorbereitung investieren muss.

Wie schätzt du die Performance des I-PACE ein?

Ich liebe die sofortige Power des Elektroautos. Beim Fahren des Jaguar I-PACE muss man aber auch einige Parameter wie beispielsweise die Bremserkennung im Hinterkopf behalten.  Du legst dir quasi im Vorfeld eine Strategie zurecht, wie du das Rennen angehst. Außerdem ist es großartig, dass der I-PACE eTROPHY ja quasi direkt aus dem Serienfahrzeug entstanden ist. Ich mag die Idee, sowohl auf der Rennstrecke, als auch auf dem Heimweg im I-PACE zu sitzen.

Wie groß war der Sprung vom Verbrenner auf Elektro und wie fühlt sich das an?

Es hat sich super angefühlt. Der Sprung war tatsächlich gar nicht so groß, wie gedacht. Der einzig wirklich auffällige Unterschied ist das Handling der Bremsen und des Gaspedals. Wenn es keine Motorgeräusche gibt, achten wir außerdem mehr auf die Umgebungsgeräusche wie beispielsweise die der Reifen. Wir befinden uns fast ein bisschen wie in einer Blase.

Der I-PACE eTROPHY von Célia Martin
Célias Jaguar I-PACE eTROPHY – Fotocredit: Jaguar

Wie wichtig ist Deiner Meinung nach E-Mobilität für unsere zukünftige Mobilität?

Wir verschlingen unsere Ressourcen, dabei sollten wir dringend an die zukünftigen Generationen denken, die auf diesem Planeten leben werden. Elektrizität und die neuen Technologien werden sich deshalb in Richtung der Erhaltung bzw. Reduzierung des Energieverbrauchs entwickeln.

Hast Du ein spezielles Ritual, bevor Du ins Cockpit steigst?

Nein, nicht wirklich. Ich versuche lediglich, so entspannt wie möglich zu sein, bevor ich mich hinters Steuer setze. Das Auto ist auch der einzige Ort, an dem ich mich wirklich zu 100 Prozent fokussiert und konzentriert fühle.

Welches Auto fährst Du eigentlich, wenn du nicht gerade im Rennwagen sitzt?

Aktuell fahre ich den Jaguar XF Sportbrake. Er ist geräumig, sehr komfortabel und angenehm zu fahren – erst recht auf den deutschen Autobahnen. Wie im Rennwagen fühle ich mich nach jeder Fahrt gleich viel entspannter.

Ist der Rennsport auch privat Deine liebste Sportart? Wie verbringst Du Deine Freizeit?

Der Rennsport ist definitiv meine Nummer eins, aber ich bin auch generell ein großer Motorsportfan. Dementsprechend schaue ich gerne Formel E, Formel 1 oder Moto GP. In meiner Freizeit reite ich oder gehe in der Eifel Mountainbiken.

*Verbrauchswerte:

Stromverbrauch des Jaguar I-PACE EV400 mit 294 kW (400 PS), kombiniert: 24,8-22 kWh/100km**; CO2–Emissionen im Fahrbetrieb, kombiniert: 0 g/km (gemäß VO (EG) Nr. 692 / 2007).

Jaguar F-TYPE SVR AWD Coupé/Cabriolet 5.0 Liter V8 Kompressor mit 423 kW (575 PS) 8-Gang-Automatik (Kraftstoffverbrauch l/100 km kombiniert: 11,3; CO2-Emission: 257 g/km)