Sneaker aus fairen und recycelten Materialien

Turnschuhe, also Sneaker, wie man sie heute nennt, sind salonfähig geworden. Und das nicht erst gestern. Die weltweite Popkultur der letzten 40 Jahre wäre um ein großes Stück weniger umfangreich und spannend, hätte es Modelle wie den Chuck Taylor All Star, den Vans Sk8-Hi, den adidas Superstar oder den Puma Suede nicht gegeben.

Auch heute wären wir und unser Lifestyle um einiges ärmer, wüssten wir nichts über Kanye West oder Pharrell Williams, die beide zusammen mit adidas immer wieder am Markt für Aufsehen sorgen. Aufsehen? Naja, wie sonst soll man es nennen, wenn junge Menschen mehrere Tage vor einem Geschäft ausharren oder mit fünf gleichzeitig geöffneten Browser-Fenstern am Computer sitzen, nur um einen der super limitierten Schuhe zu bekommen?

Wenn diese Schuhe, diese „Kollabos“ mit irgendwelchen Weltstars und Sportlern bzw. diese „Limited Editions“ in ebenfalls limitierten Farbkombinationen und hochwertigen Materialien dann nach Sekunden weltweit ausverkauft sind, beginnt der Job der „Reseller“, die durch gekaufte Kunden in den Schlangen vor den jeweiligen Läden und fragwürdige Computerprogramme ­– sogenannte Bots – an gleich mehrere der begehrten Modelle gekommen sind. Diese verkaufen sie weiter. An den Höchstbietenden. So wird aus einem 200 Euro Schuh schnell mal eine Wertanlage von 600 Euro oder mehr. Dieser wird dann oftmals nur noch in der Vitrine ausgestellt und bestaunt. Aber nicht mehr getragen.

Ganz anders gehen die Macher der nachfolgenden Unternehmen vor. Sie produzieren meist keine Massenware und auch sonst entsprechen ihre Modelle nur selten so sehr dem Zeitgeist, dass Menschen für einen Kauf Urlaub nehmen müssen. Trotzdem handelt es sich hierbei aber genauso um ganz besondere Schuhe. Denn sie sind nachhaltig und oftmals sehr hochwertig produziert.

Faire Arbeitsbedingungen und ökologische Verträglichkeit ­– diese Hersteller bieten nachhaltige Sneaker an.

Vor

Seit 2010 produzieren Andreas Klingeisen und Jörg Rohwer-Kahlmann nun schon Schuhe unter dem Brandnamen "Vor". Die beiden Münchener wählten den Namen damals bewusst, denn sie wollten Vorreiter sein. Vorreiter zum einen in Sachen Design, zum anderen in Sachen Qualität. So ist unbewusst ein nachhaltiges Konzept entstanden, welches abseits des großen Sneaker Hypes fantastisch funktioniert. Das Leder stammt von einem italienischen Familienbetrieb, die Manufaktur findet in Münchweiler, Rheinland-Pfalz, statt und die Schuhboxen kommen aus Thüringen. Das Design der nachhaltigen Sneaker geht zudem weg vom klassischen, auffälligen Sportschuh und hin zum gedeckten Modell, welches sich je nach Laune schick anziehen oder lässig tragen lässt. Die meisten Schuhe von Vor sind dabei in einer von dutzenden Weißnuancen gehalten, doch auch marineblaue, schwarze und braune Varianten bieten die Münchener an. Perfektion war dabei von der Gründung an der Anspruch, den beide an die Schuhe der eigenen Marke hatten. Die hat mit über 300€ pro Schuh zwar ihren Preis, bleibt auf dem aktuellen Markt dafür nahezu unerreicht.

Fotocredit: vor

Wado

Bewusst ökologisch geht Wado das Thema Sneaker an. Das Versprechen des neuen Start-Ups: Ihr kauft ein paar Schuhe bei uns, wir pflanzen dafür zwei Bäume! Das allein bewegt natürlich noch niemanden zum Kauf, weshalb das bisher einzige Modell der Brand zum einen mit massentauglichem Design daher kommt, zum anderen ökologisch verträglich und fair produziert wurde. Das Design ist an den aktuell omnipräsenten Reebok Club C 85 angelehnt – falsch macht man modisch also nichts! Der Verzicht auf Chromium in der Produktion schont die Umwelt und auch die Herstellung in Portugal ist definitiv nachhaltig. Der Preis überzeugt ebenfalls: Gerade einmal 85€ soll der erste Schuh der Brand, welcher in Grün, Blau, Schwarz, Garnet und Off-White erscheint, bei einer Vorbestellung kosten.

Fotocredit: wado

Veja

Wer gerade durch die Innenstädte schlendert, wird bei einem Blick auf die Füße der Menschen vielleicht etwas aufgefallen sein. Immer häufiger sieht man Schuhe mit einem schlichten V-Logo, gerade bei jungen Frauen. Das angesprochene Schuhwerk kommt von Veja und ist aktuell gefragter denn je. Besonders verwunderlich ist das gerade deshalb, da die Marke selbst keine Werbung macht. Und sie ist stolz drauf, denn genau das ist Teil des Konzepts. Da die Kosten für Marketing wegfallen, muss das Produkt zwangsläufig für sich selbst stehen. So kostet ein Schuh im Laden zwar genau so viel wie ein Konkurrenzprodukt, in der Produktion sind die Veja Sneaker aber fünf- bis siebenmal teurer. Das merkt man, wenn man die Qualität eines Veja-Modells mit einem der traditionellen Anbieter vergleicht. Im gleichen Zug setzt die in Frankreich ansässige Marke auf hohe ökologische und soziale Standards sowie auf Transparenz bei allen Schritten der Produktion. So erfährt der Kunde bei Veja über die Website alles über die Herkunft des verwendeten Leders, der Baumwolle, des Kautschuks und über die Produktionsbedingungen.

Fotocredit: veja

ekn footwear

Mit der Unterstützung von bekannten Künstlern wie Max Herre und Joy Denalane geht ekn footwear ins Rennen. Damit unterstützen sie aber nicht etwa irgendeine beliebe Sneakerbrand, sondern eine wirklich gute Sache. Die Schuhe von ekn footwear werden nämlich in Portugal in einer kleinen Manufaktur unter fairen und sozialen Arbeitsbedingungen produziert. Aus der Region bezieht der Hersteller zudem nach Möglichkeit alle Rohstoffe. Auch recycelt wird lokal in der Nähe der Produktionsstätte. Die deutsche Firma lässt ihre Schuhe außerdem aus pflanzlich gegerbtem Leder, Bio-Baumwolle und anderen natürlichen Materialien handfertigen. Die Auswahl leidet unter all diesen Aspekten aber kaum bis gar nicht. Von Sandalen über Low- und High-Tops hin zu Boots in veganen und nicht veganen Varianten bietet ekn footwear sowohl für Damen als auch für Herren fast alles an, was es bei herkömmlichen Sneaker Brands auch gibt.

Fotocredit: ekn footwear

Zweigut

Aus dem hohen Norden drängt mit Zweigut seit neuestem ein Unternehmen auf den Sneakermarkt, welches sich eigentlich auf feinere Damen und Herrenschuhe spezialisiert hat. Die Hamburger hatten nämlich eine geniale Recyclingidee, die in einem eigenen Sneaker mündete. Sie nutzen für das Obermaterial der Turnschuhe einfach das alte Leder von Autositzen! Zusammen mit einer federleichten Laufsohle ist so ein Schuh entstanden, der aus Alt ganz einfach Neu macht. Vegan ist das Konzept aber nicht. Doch Zweigut hat auch Sneaker im Portfolio, deren Herstellung keinen Schaden an der Tierwelt anrichtet. Vegane Schuhe aus Kork sind hier das Stichwort. Produzieren lässt die Hamburger Brand in im vorhinein besuchten Fabriken in Portugal. So stellt die Firma sicher, dass soziale Standards eingehalten werden und die Herstellung der eigenen Ware unter arbeitnehmerfreundlichen Bedingungen stattfindet.

Fotocredit: zweigut

Ethletic

2004 gründeten James Lloyd und Dr. Martin Kunz Ethletic in Pakistan. Ihr Ziel: Fußbälle fair produzieren. Fair gegenüber der Umwelt und den Arbeitern. Ein Novum in einer Branche, die bis zu dem Zeitpunkt für Umweltverschmutzung, Kinderarbeit und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen stand. 14 Jahre später ist das Ethos dasselbe, das Hauptprodukt ein anderes: nachhaltige Sneaker! Das Obermaterial ist aus Fairtrade- und Bio-Baumwolle von Kleinbauernplantagen in Indien gefertigt. Die Schuhsohlen bestehen aus FSC-zertifiziertem Naturkautschuk, das aus Sri Lanka stammt. Um soziale Projekte zu fördern, zahlt der Schuh-Hersteller einen zusätzlichen Beitrag von 0,50 Euro pro geerntetem Kautschuk an die Arbeiter. Die Sneaker werden in Handarbeit gefertigt und sind vegan. Dabei sind dem Unternehmen nachhaltige, soziale Produktion und persönliche Kontakte zu den Vertragsbauern sehr wichtig. Deswegen besucht der Schuh-Hersteller die Arbeiter in den Regionen, aus denen die Rohstoffe stammen, regelmäßig.

Fotocredit: ethletic

Nae

Schuhe aus Ananasblättern, die als Lederersatz genutzt werden. Klingt unmöglich, ist dank Nae aber Realität! Die portugiesische Marke stellt ausschließlich vegane Schuhe her, die auf alternative Materialien wie Kork, Mikrofasern, recycelte Plastikflaschen und das eben bereits angesprochene Ananasblatt setzen. Das aus dem Ananasblatt gewonnene Piñatex von Nae – kurz für No Animal Exploitation – ist strapazierfähig, naturschonend und echtem Leder erstaunlich ähnlich. Die Schuhe überzeugen jedoch nicht nur mit Nachhaltigkeit, sondern auch mit tollem Design. Egal ob schlicht und gedeckt oder auffällig bemustert – hier werden sowohl die Damen als auch die Herren fündig!

Fotocredit: nae

adidas

Nicht nur kleine Unternehmen, auch die Big Player in der Turnschuhbranche widmen sich nachhaltigen Projekten. Das beste Beispiel hierfür ist aktuell adidas. Die Weltmarke mit den drei Streifen arbeitet seit mehreren Jahren mit Parley for the Oceans zusammen, um Plastikmüll zu Schuhen zu verarbeiten. Zu dem Zweck sammelt das Team von Parley Plastik an den Küsten der Welt und verhindert somit, dass der Müll in den Ozean gelangt. Im Folgeschritt wird das gesammelte Material zu sogenanntem "Parley Ocean Plastic" verarbeitet, um daraus schließlich das Obermaterial eines Schuhs herzustellen. In dem Prozess werden je nach Sneaker circa 11 Plastikflaschen in die Produktion integriert. Knapp 95 Prozent des Schuhs bestehen so letztendlich aus Müll. Im Jahr 2017 konnte adidas eine Million Paar der Recycle-Sneaker verkaufen, knapp elf Millionen Plastikflaschen wurden so nicht zum Problem unserer Umwelt. Eine Zahl, die adidas in nächster Zeit noch weiter steigern möchte!

Fotocredit: adidas

Text: Lukas Beutler / Chris Görtz