Ein Blick nach Norden – Skandinavien als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, richtet sich der Blick fast zwangsläufig in den Norden Europas. So hat beispielsweise in Norwegen die Regierung mit einer intelligenten Verkehrspolitik dafür gesorgt, dass die Elektromobilität aus ihrem Schattendasein heraustritt. Wir wollten uns direkt vor Ort ein Bild machen, wie es in den übrigen skandinavischen Ländern um das Thema bestellt ist, und sind deshalb durch Dänemark und Schweden gereist. In Kopenhagen, Helsingborg und Malmö haben wir erlebt, wie E-Mobilität funktioniert. Außerdem haben wir mit Einheimischen über das Thema Nachhaltigkeit in den verschiedensten Bereichen gesprochen.

Das Wort „nachhaltig“ lässt viel Interpretationsspielraum offen. So sind laut Duden die Synonyme vielfältig: anhaltend, eindringlich, einschneidend, entschieden, fortwährend. Haltbar könnte ein weiteres sein. Denn wirklich nachhaltig ist etwas dann, wenn es lange genutzt werden kann.

Wir sind in Kopenhagen und landen bei 15 Grad Celsius, dunklen Wolken und Regen. Wir freuen uns auf die geplante Tour, die wir natürlich elektrisch, per Rad oder zu Fuß hinter uns bringen. So gehört es sich, wenn man über Nachhaltigkeit berichten will, denn unser ökologischer Fußabdruck muss aufgrund des Fluges von München nach Kopenhagen wieder etwas korrigiert werden.

Mit der Elektrofähre nach Dänemark
Weiter geht's mit der Fähre – Fotocredit: Titelbild

Die Fahrradstadt Kopenhagen

Wir drehen ein paar ausgiebige Runden durch die Trend-Metropole. Viele der 600.000 Einwohner finden, dass es die schönste Stadt im Norden ist sowie das Fahrrad-Mekka schlechthin. Fahrräder gibt es an jeder Ecke. Kein Wunder, dass jedes Jahr sechs Kilometer Radweg hinzukommen. Das teilt uns zumindest Bo Christensen mit, Architekt und Stadtplaner in Dänemarks Hauptstadt. Wir schauen zum Mittagsstopp bei Wecycle vorbei. Fahrradgeschäft und Bistro in einem. Hoch im Kurs stehen hier Stahlrenner aus den 80ern, die liebevoll erneuert und noch lange gefahren werden sollen. Eine gute und dabei noch äußerst stylische Idee, vor allem wenn man bedenkt, dass 60 Prozent der Kopenhagener Pendler das Zweirad nutzen.

Wir fahren weiter nach Norden, direkt am Öresund entlang. Von der Landschaft und dem türkisfarbenen Meer ist leider nicht viel zu sehen. Wolken und Wasser ergeben eine Melange, die sich sprichwörtlich gewaschen hat. Leider in tristem Grau. In Helsingor öffnet sich der riesige Bug der Zero-Emission-Fähre. Weiter geht’s!

Die insgesamt vier Elektro-Fähren legen diese Strecke 25.000 Mal im Jahr zurück – hin und her versteht sich – und transportieren dabei 7,4 Millionen Personen und 1,5 Millionen Autos. Hinzu kommen 450.000 LKW. 2017 wurde die 1991 in Betrieb genommene Tycho Brahe umgerüstet. Der alte Diesel blieb als Backup erhalten. Angetrieben wird der 111 Meter lange „Dampfer“ nun mit sechs Megawatt. 250 Tonnen Gewicht kamen aufgrund der E-Technik hinzu. Allein die 640 Batterien auf dem Deck wiegen 60 Tonnen. Im Winter wird die Abwärme zum Heizen des Passagierraums genutzt, im Sommer wird mit Meerwasser gekühlt. Das ist nicht nur äußerst effizient, sondern sorgt obendrein für eine emissionsfreie Fahrt zwischen Heslingor (Dänemark) und Helsingborg (Schweden). Den benötigten Strom erzeugen Wasser und Wind, beides ist hier in rauen Mengen vorhanden.

Wie bei allen Akkus sollte auch der Koloss der Tycho Brahe zwischen 40 und 66 Prozent Ladezustand betrieben werden, so die Techniker. Die Batteriezellen werden nach fünf Jahren Laufzeit durch die dann aktuellste Technik ersetzt und das Altmaterial recycelt.

Skandinavien setzt auf Elektrofähren
Elektrofähre zwischen Dänemark und Schweden – Fotocredit: Electrified

Willkommen in Malmö

Ach ja: Willkommen in Schweden, wir sind mittlerweile in Malmö angelangt. In der südlichsten Großstadt Schwedens treffen wir Johan Berhin, Gründer von Green Furniture Concept. Er hat Büro und Showroom direkt am Bahnhof Malmö bezogen. Johan hat vor zehn Jahren einen Stuhl erdacht, der skandinavisch gut aussieht und noch dazu bequem und „grün“ ist. Sein Bestseller ist mittlerweile eine Bank, deren sanft geschwungenes Holz bereits bei bloßem Anblick gefällt. Johan hätte das Material gerne aus Schweden bezogen, der kurzen Wege wegen. Er muss ob seiner Qualitäts- und Öko-Ansprüche allerdings Holz aus Deutschland kaufen.

Eiche, Buche und Birke sind die Hölzer, aus denen die Bänke in Smarland auf traditionelle Weise und mit alten Maschinen gefertigt werden. Dass die Möbel höchsten Ansprüchen gerecht werden, beweisen sie bereits im Stockholmer Hauptbahnhof und demnächst im Münchener Flughafen. Für Johan ist eine seiner der obersten Prämissen, dass die Möbel möglichst langlebig sind. Schließlich ist kaum etwas nachhaltiger, als ein Produkt so lange wie möglich zu nutzen.

Nachhaltigkeit in Malmö
Holz und weitere nachhaltige Materialien – Fotocredit: Electrified

Mehr von Mathias Herbig gibt es übrigens hier.