PACESETTER im Gespräch mit Profi-Windsurfer Andy Laufer

Andy Laufer war in den 90er Jahren eine Legende im Windsurf-Sport. Jeder Windsurfer kannte den Mann aus Radolfzell am Bodensee. „Konsul Laufer“ war nicht nur Kult und überaus erfolgreich auf den nationalen und internationalen Regatta-Kursen, sondern auch unschlagbar in den Disziplinen Nightlife und Lifestyle. Sein lässiges Lebensgefühl stand Pate für eine ganze Generation von Windurfern und prägte das Bild der coolen Jungs auf der Suche nach der perfekten Welle. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde es merklich ruhiger um ihn, nun meldet sich der Konsul mit Vollgas zurück. Wir haben uns mit dem Vollblut-Surfer über den Sport, sein Comeback und das Faible für Jaguar Old- und Youngtimer unterhalten.

Speed-Kini Andy Laufer
Speed-Kini Andy Laufer – Fotocredit: Andy Laufer

Andy, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Vizeweltmeisterschaft im Speedsurfen. Wie schnell warst du unterwegs? Und was müssen sich unsere Leser unter dieser Disziplin vorstellen?

Vielen Dank! Eigentlich war das gar nicht so schnell, aber für die Bedingungen, die wir vor Ort auf Fuerteventura hatten, war es doch recht fix. Der Strand von Sotavento ist der klassische Speedsurfing-Spot, an dem schon einige Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt wurden. Mein Topspeed lag bei rund 78km/h, da geht aber natürlich noch mehr. Das Prozedere bei einer Speed-Weltmeisterschaft ist schnell erklärt – pro Lauf hat man als Starter eine Stunde Zeit, um eine mit Bojen gekennzeichnete Strecke von 250 Metern so schnell wie möglich zu durchqueren. Per GPS wird bei jedem Versuch die Durchschnittsgeschwindigkeit gemessen. Der jeweils schnellste Lauf geht in die Tageswertung ein und der Fahrer mit den besten Tageswertungen hat am Ende die Nase vorn.

Es gibt auch noch eine 500 Meter lange Strecke, beispielsweise in Lüderitz (Namibia), ein Kanal speziell gebaut beziehungsweise gegraben für Weltrekorde. Wenn die Bedingungen passen – und die sind dann wirklich heftig – wird hier die Durchschnittgeschwindigkeit auf der Strecke gemessen. Windgeschwindigkeiten von 50 Knoten (das sind über 90 km/h) sind dabei keine Seltenheit. Als Topspeed habe ich hier schon 99,6 km/h erreicht, nur eben noch nicht als Durchschnittsgeschwindigkeit. Der Weltrekord ist hier mein großes Ziel.

Du bist ja schon so etwas wie ein Urgestein der Windsurfszene, welchen Stellenwert hat dieser Titel für dich persönlich?

Natürlich freue ich mich riesig über das Ergebnis, dieser Titel bedeutet mir sehr viel. Meine erste Regatta bin ich 1983 gefahren, ich bin also schon ewig im Windsurf-Zirkus dabei. Mit der Jagd auf den Weltrekord ist nochmal eine interessante neue Komponente hinzugekommen. Abgesehen davon freue mich immer noch wie ein kleines Kind, wenn es draußen Wind gibt und sich die Bäume biegen. Schlimm ist es nur, wenn ich in der Arbeit sitze und nicht gleich aufs Wasser kann. Das wird sich wohl auch nicht ändern, selbst wenn mir die Pause vom Wettkampfsport ganz gutgetan hat.

Der Rücktritt vom Rücktritt – Wie kam es überhaupt dazu, dass du wieder in die Wettkampf- und Regattaszene eingreifst?

Ich glaube, das hat viel damit zu tun, dass wir ans Wasser gezogen sind. Wir wohnen jetzt am Ammersee und da habe ich natürlich sofort gesagt, dass ich unbedingt wieder ein Windsurfboard brauche. Das liegt jetzt quasi einsatzbereit im Garten. Mit der Ausrüstung kam auch der Spaß am Sport zurück. Ich bin dann kleinere Wettkämpfe mitgefahren und habe ziemlich schnell gemerkt, dass ich noch sehr gut mithalten kann. Mit dem Erfolg stieg die Motivation immer weiter. Mein Schlüsselerlebnis war der Besuch von Björn Dunkerbeck (Windsurf-Rekordweltmeister, Anm. d. Red.). Sein Satz, dass man als Profisurfer mindestens einmal die hawaiianischen Wellen vor Jaws geritten und den Kanal in Namibia gefahren haben muss, ist wohl hängengeblieben und so kam eines zum anderen. Ich habe mich direkt mal angemeldet (lacht). Man ist dann schnell wieder drin im Wettkampfsport und irgendwie habe ich bislang jedes Ziel erreicht. Jaws vor Maui kam letztes Jahr hinzu, fehlt eben nur noch der Weltrekord.

Auf der Suche nach der nächsten Welle
Auf der Suche nach der nächsten Welle – Fotocredit: Andy Laufer

Ist das nicht gefährlich, so schnell auf dem Wasser unterwegs zu sein?

Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Einen Helm trage ich, wenn ich zum Beispiel die Kamera auf dem Kopf habe. Wenn man in sein Material hineinfällt, ist ein Kopfschutz auf jeden Fall besser. Ich bin letztes Jahr am Gardasee gestürzt und bei knapp 70 Sachen direkt ins Material hineingeflogen. Gott sei Dank hatte ich den Helm auf, der danach eine ziemlich fette Delle hatte. Ich weiß nicht, ob der Kopf das ohne Schutz ausgehalten hätte. Ich dachte im ersten Moment wirklich, dass mein Genick gebrochen sei. Zum Glück war es aber „nur“ ein schweres Schleudertrauma, so langsam kann ich meinen Hals wieder fast normal bewegen.

Im Speed-Kanal kann ein Helm andererseits durchaus gefährlich sein. Wenn man rückwärts vom Board fällt und mit 100km/h aufs Wasser aufprallt, sind die Kräfte, die hier wirken enorm. Im schlimmsten Fall kann einem der Kopf mitsamt Helm abgerissen werden, was zum Glück noch nicht passiert ist.

Braucht es bei der Jagd nach dem Rekord spezielles Material?

Bei der Speed-WM gehen wir mit Serienmaterial an den Start. Das sind quasi Slalombretter und -segel. Die meisten Windsurf-Marken haben sie mittlerweile im Programm. Diese Boards kann man so auch im normalen Surf-Shop kaufen. Für den Kanal hingegen brauchen wir spezielle Bretter. Diese sind rund 38 bis 40cm schmal, also nur etwas breiter als ein Mono-Ski. Sie haben sehr wenig Volumen und sind dementsprechend schwer zu starten. Außerdem haben wir noch knapp 20 Kilogramm Zusatzgewicht auf dem Rücken. Man ist schlichtweg schneller, wenn man schwerer ist.

Speedsurfer Andy Laufer
Andys Topspeed: 99,6 km/h – Fotocredit: Pep Bonet

Bist du nicht auch der Speed-Kini? (Bayerisch für Speed-König)

Amtierend! (schmunzelt). Ich habe eher zufällig von dieser Wettkampfserie erfahren und dachte mir, so langsam bist du doch nicht, dementsprechend einfach mal mitmachen. Also habe ich mir eine GPS-Uhr gekauft und bin drauflosgefahren. Mit über 100 Startern ist der Speed-Kini eine der größten Meisterschaften, ausgetragen auf den bayerischen Seen. Das Besondere ist, dass jeder mitmachen kann. Außerdem ist es quasi direkt vor meiner Haustür.

Gibt es Eigenschaften als Windsurfer, die Dir heute beruflich oder auch privat zugutekommen?

Im Beruf auf jeden Fall. Als Profisportler, als Windsurfer sogar insbesondere, lernt man nicht nur sehr schnell auf eigenen Beinen zu stehen, sondern auch sich selbst zu vermarkten. Dieses Eigenmarketing und der Vertrieb der eigenen Person und der eigenen Leistung bringt erhebliche Vorteile mit sich. Eigentlich ist es das, was ich heute auch mache, nur eben in der Bau- und Immobilienbranche. Ich sehe es aber auch bei den ehemaligen Windsurf-Weggefährten, die alle extrem erfolgreich sind in dem, was sie tun.

Du warst bekannt als Partykanone. Sind die heutigen Profis anders?

Die heutigen Spitzensurfer sind extrem professionell geworden. Man sieht auf ihren Social-Media-Profilen immer nur die bunten Bilder, aber dahinter stecken Training, Fleiß und harte Arbeit. Außerdem gab es Facebook und Co. zu meiner Zeit noch nicht. Beim Windsurfen war damals immer viel Party, mehr easy living und es war meiner Meinung nach deutlich unprofessioneller – zumindest bei mir (lacht).

Boards und easy living
Boards und easy living – Fotocredit: Andy Laufer

Woher kommt der Spitzname „Konsul Laufer“? 

Von meiner Liebe zu prestigeträchtigen Automobilen (lacht). Der stammt noch von Anfang der 90er Jahre. Damals ist jeder mit einem Surfer-Bus rumgefahren, was mir aber viel zu langweilig war, weshalb ich mir damals in Kapstadt einen alten Jaguar XJ gekauft habe. Der sah ohnehin schon cool aus, war aber mit dem ganzen Surf-Material auf dem Dach eben noch eine Spur lässiger. Das fand ein Kollege von mir so witzig, dass er mir beim nächsten Event nachts eine fette Krone auf die Heckscheibe und „Konsul Laufer“ auf die Fahrertür geklebt hat. Das Bild ging durch die Medien und so hatte ich meinen Spitznamen weg.

Uns liegt das Thema E-Mobilität am Herzen. Beschäftigst du dich auch mit dem Thema?

Als Auto-Fan beschäftige ich mich natürlich ab und zu mit diesem Thema. Ich bin auch schon das ein oder andere Modell Probe gefahren. Die Beschleunigung und das Fahrverhalten sind schon ziemlich cool und machen wirklich Spaß. Es ist wichtig, dass die Umwelt entlastet wird, das sage ich jetzt nicht nur als Windsurfer, der jede freie Minute in der Natur verbringt. Ich denke, dass E-Mobilität nur die Spitze des Eisbergs ist. Wenn ich als Pendler sehe, wie viele Leute jeden Tag alleine im Auto unterwegs sind, dann stelle ich mir die Frage, ob beispielsweise das Thema „Mitfahrgelegenheit“ nicht ein Ansatz – wahrscheinlich einer von vielen – für die nahe Zukunft sein könnte: von der Entwicklung einer entsprechenden App bis hin zu einer nur dafür zur Verfügung stehenden exklusiven Fahrspur.

Auf der anderen Seite bin ich auch sehr oldschool, was meine privaten Autovorlieben angeht. Ich habe mir erst kürzlich einen Jaguar XJS gekauft. Das Coupé ist mein Baby, das ich nicht missen möchte. Ich liebe diese Form und diese Anlehnung an die Stilikone E-Type. Ich mag eben diesen Retro-Style, das passt einfach am besten zu mir (lacht).

Andys Jaguar XJS
Die Liebe zum Retro-Style: Jaguar XJS – Fotocredit: Andy Laufer

Abschließend eine Frage, die wir immer wieder gerne stellen: Was ist deine Lebensphilosophie?

Wichtig ist, dass man immer seine Ziele im Auge behält, sei es sportlich oder allgemein im Leben. Und der Spaß sollte dabei natürlich nicht zu kurz kommen (grinst).

Vielen Dank für das erfrischende Interview!