PACESETTER im Interview mit Skateboard-Profi und GORILLA Mitbegründer Tobias Kupfer

Tobias Kupfer ist nicht nur deutscher Skateboard-Weltmeister und ein absolutes Ass in der Rampe. Er hat außerdem das gemeinnützige GORILLA Projekt mit ins Leben gerufen und vermittelt gemeinsam mit weiteren Profis Kindern und Jugendlichen den Spaß an Bewegung, Ernährung und einer nachhaltigen Lebensweise. Wir haben mit Tobias über sein Projekt und den Uga-Uga-Lifestyle gesprochen sowie darüber, was für Kinder und Jugendliche heutzutage wirklich wichtig ist.

Du bist selbst Skateboard-Weltmeister, wann war das und wie wird man das als Deutscher überhaupt? Welche Rolle spielt das Skateboard heute noch in deinem Leben?

Das ist nun schon eine Weile her. Ich habe im Jahr 2000 in Prag bei einem Worldcup namens Mystic Cup teilgenommen und gewonnen. Den gibt es heute noch. 1998 und 1999 war ich auch schon dabei, hier habe ich allerdings die Plätze 27 und 18 belegt. 2000 ging es dann steil für mich. Ich bin ab 1994 schon immer die kleinen deutschen Skatecups mitgefahren,  ab 1996 die Europameisterschaften in Basel, Winterthur und Amsterdam und ab 1998 dann auch die Worldcups. Das ist nun zwar alles schon lange her, aber ich skate nach wie vor und bin immer noch fasziniert davon. Es ist für mich der perfekte Ausgleich zum Büro und der beste Weg, mich körperlich kreativ auszudrücken und auszupowern.

Du hast das GORILLA Deutschland Programm mit ins Leben gerufen. Was hat dich dazu bewogen, dich in diesen Bereich zu engagieren?

Zunächst meine eigenen Kinder und eine Leukämie, die mich zum Umdenken brachte in Bezug auf die Prioritäten in meinem Leben. Ich habe auch schon vor 18 Jahren die ersten Skateboard-Workshops gegeben und fand es immer sehr schön, die Kids zu motivieren. GORILLA ist so viel Herzblut und geht eben auch auf ein Bewusstsein für Mutter Erde und eine gesunde Ernährung ein. Das ist einfach eine super Kombination.

Wenn du GORILLA beschreiben müsstest, was ist das Besondere daran?

Wir sind eine DACH-weite Bewegung aus über 100 Freestyle-Sportprofis und Ernährungspädagogen, die es sich zu Aufgabe gemacht haben, neben ihrem Sport den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Vorbild zu sein. Und das eben nicht mit einem Energydrink oder einem Burger in der Hand, sondern durch ihr Können und einen nachhaltigen Lebensstil. Das Besondere ist unser authentisches Auftreten, das für die Kids enorm wichtig ist, denn genau so bekommen wir den Zugang zu ihnen. Der Breaker dreht sich auf dem Kopf, der Parcours-Coach flippt durch die Luft oder der Skater fliegt aus der Rampe. Das kickt die Kids – auch in Zeiten völliger Überreizung durch Konsum, Medien und Kommerz. So öffnen wir die Tür und sprechen mit den Kids auf Augenhöhe, auch über diese Welt und wie sie selbst in die Verantwortung kommen können, sie mit zu gestalten und sich selbst und ihr Umfeld gesund zu halten.

Tobias Kupfer
Tobias Kupfer in Action – Fotocredit: Phil Pham

Wie sieht das Programm in der Realität aus?

GORILLA macht Workshops an Schulen, Berufsschulen oder Jugendeinrichtungen. Wir haben aber auch einen Schiffscontainer, mit dem wir auf Events vorfahren und ordentlich Action machen. Es gibt einen mobilen Skatepark, den GORILLA Playground, zum Ausleihen, aber auch zu kaufen für die Anfänger der Skater, Scooter, BMXer oder Inliner.

Wir geben Tipps und Tricks auf unseren Social-Media-Kanälen und Tutorials zu den einzelnen Sportarten auf unserer Website. Zudem haben wir ein cooles Kochheft und starten nächstes Jahr mit unserem Hauptpartner, der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK, ein bayernweites GORILLA Schulprogramm, welches ganzjährig und dem Schulplan angepasst, an den Schulen für einen gesunden Schulalltag sorgen soll. Wir möchten die Lehrpersonen bei ihrer wichtigen täglichen Arbeit unterstützen.

Warum ausgerechnet der Name GORILLA?

Weil es eine schützenswerte, bedrohte Art ist und das sind unsere Kinder von heute auch. Außerdem ist der Gorilla dem Menschen sehr ähnlich. Er ist sozial, schützt seinen Lebensraum und ist ein starkes Tier, welches alle Kinder fasziniert. Wir mögen den Gorilla und wir mögen die Kids.

Ihr beschäftigt euch mit Bewegung, gesunder Ernährung und einer nachhaltigen Lebensweise. Sind das deiner Meinung nach Themen, mit denen sich Jugendliche heutzutage zu wenig auseinandersetzen?

Absolut. Ich denke, es ist mehr als fünf vor zwölf, das weiß wohl jeder. Viele Arten sterben in unglaublicher Geschwindigkeit aus, die Meere sind voller Plastik und unsere Essen schaut vielfach nur noch gut aus. Die nächste Generation geht nun zu Millionen auf die Straße, um das einzufordern, was wir nicht umgesetzt haben. Sie sind unsere Hoffnung und deshalb versuchen wir, sie so gut wir können für eine großartige Vision unsere Menschheit auf dieser einzigartigen Erde zu pushen.

Welche Werte wollt ihr den Kids mit GORILLA vermitteln und wie nehmen sie das Projekt auf?

Wir stehen für eine Gesellschaft eins, in der junge Menschen gesund und lebensfroh aufwachsen und in Eigenverantwortung und Selbstinitiative ihr Potential entfalten – für sich und die Gesellschaft. Wir wollen ihnen die Power geben, sie selbst zu sein, neue Sachen zu probieren und mit Empathie und Leidenschaft ihren Weg zu gehen und auch wenn man mal hinfällt, wieder aufzustehen. Sie sollen Spaß haben und die Vielfalt der Möglichkeiten in ihrem Leben auf dieser Welt mit Begeisterung angehen. Unsere zahlreichen Evaluationen und Feedbacks der Eltern zeigen, was wir bewegen und dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das ist wirklich schön, zu sehen und motiviert uns zu immer neuen Ideen und Konzepten für eine gesunde Zukunft.

Warum seid ihr anders als andere Initiativen, die sich für Bewegung und gesunde Ernährung stark machen?

Weil GORILLA bunt ist durch die vielen Individualisten, die unsere Bewegung tragen.

Und weil wir glaubhaft sind in allem, was wir tun und uns immer hinterfragen, um uns weiterzuentwickeln in einer Welt, die sich rasant verändert. Dadurch landen wir bei den jungen Menschen, denn sie spüren und sehen, was wir können und wofür wir stehen.

Wie lebst du persönlich den Uga-Uga-Lifestyle?

Auf einem alten Bauernhof mit meiner lieben Frau und meinen bezaubernden drei Kindern, die nun auch schon mit mir an unserer Miniramp Skaten gehen. Wir bauen dort unser eigenes Obst und Gemüse an und erfreuen uns an allem, was lebendig ist.

Tobias persönlicher Uga Uga Lifestyle
Tobias persönlicher Uga Uga Lifestyle – Fotocredit: Tobias Kupfer

Unsere Standardfrage zum Abschluss: Hast du ein Lebensmotto?

Gedanken, Worte und Taten erschaffen deine Realität, der lange Atem, Willenskraft und eine Vision führen zum Erfolg.

www.gorilladeutschland.de