Pilotprojekt: Zehn Jaguar I-PACE* im Münchner Taxibetrieb

Elektromobilität ist in Deutschland angekommen. Die Hersteller präsentieren fortwährend elektrisch angetriebene Innovationen und stellen mehr und mehr auf die entsprechenden Antriebe um. Gleichzeitig gilt es, die Rahmenbedingungen, wie etwa ein Netz aus Schnellladestationen zu schaffen, um elektrisch angetriebene Mobilität in der Praxis zu etablieren. In München ging im Zuge dessen ein ganz besonderes Projekt an den Start: Seit August bereichern zehn elektrisch angetriebene Jaguar I-PACE die Münchner Taxiflotte.

Im Gespräch mit Gregor Beiner, Geschäftsführer MTZ (Münchner Taxi Zentrum) und Florian Hördegen, stellvertretender Leiter Verkehr / Technik / Umwelt beim ADAC Südbayern e.V. zeigt sich, dass Elektromobilität inzwischen mehr als praxistauglich ist und dass der Jaguar
I-PACE selbst im harten Taxialltag eine gute Figur macht.

Elektromobilität ist ein viel diskutiertes Thema, das dank neuer Modellvorstellungen und einer wachsenden Infrastruktur mehr und mehr im Alltag ankommt. Seit August fahren zehn rein elektrisch angetriebenen Jaguar I-PACE durch München. Wie sehen Sie die Entwicklung von Elektro-Taxen im Markt? Welche Zukunft sagen Sie voraus?

Gregor Beiner, MTZ: Unsere zehn I-PACE Elektro-Taxen sind seit Mitte August im Münchner Straßenverkehr unterwegs und damit deutschlandweit die erste rein elektrisch angetriebene Taxiflotte. Bisher genügten die verfügbaren Fahrzeuge nicht den Anforderungen der „Taxler“ hinsichtlich der Hochwertigkeit der Fahrzeuge, des Platzangebots und der Reichweite – das hat sich mit dem Jaguar I-PACE geändert. Wir stellen fest, dass die Relevanz der E-Taxen steigt und sehen uns damit als Aushängeschild des Taxigewerbes. Denn auch im Hybridbereich gehörten Taxiunternehmer schon vor Jahren zu den Vorreitern, neue Technologien intensiv zu testen. Damit sind wir öffentlich sichtbar und animieren weitere potentielle Zielgruppen.

Florian Hördegen, ADAC Südbayern: Lassen Sie mich ergänzen: Es braucht außerdem weitere Fördermodelle und Anschubfinanzierungen von staatlicher Seite, um E-Taxen zu stärken. Denn das Taxigewerbe hat besonders hinsichtlich der Reichweiten spezielle Anforderungen.

Gregor Beiner: Das Förderprojekt des ADAC und der Landeshauptstadt München ist für uns beispielsweise sehr wertvoll, denn ohne solche Unterstützung wäre unsere Flotte in dieser Form nicht möglich gewesen.

Innovationen und Service beleben das Geschäft. Sehen Sie diese Innovation geeignet, um sich im Taxigewerbe von alternativen Fahrdiensten und Ride-Hailing-Services abzuheben?

Gregor Beiner: Das Taxigewerbe war schon immer sehr innovativ, beispielsweise darin, neue Fahrzeuge in den Markt einzuführen. Die meisten Automobile auf dem Markt sind in der Regel nicht älter als 4,2 Jahre. Kaum ein Gewerbe hält so neuwertige „Maschinen“ vor.
Doch im Kern stehen immer noch die Dienstleistung und der Service am Kunden. Was unsere Taxifahrer und Fahrerinnen auszeichnet: Sie sind geschult auf Service und Kommunikation, auch auf die „kleinen Dinge“, wie die Tür aufhalten und ein angenehmes Gespräch führen, sofern sich der Fahrgast unterhalten möchte. Das Angebot und der Luxus des Taxifahrens sind gesetzlich verankert. Ich finde, dies sollte nicht durch die Lockerung dieser bewährten Regelungen gefährdet werden. Daher helfen uns Innovationen – wie jetzt der Jaguar I-PACE – die Fahrgäste anzusprechen und zu binden.

Wie wurden die neuen Modelle bei der Vorstellung von den Fahrern angenommen? 

Gregor Beiner: Wir stehen mit unseren Fahrern in einem engen Dialog und hören gerne von ihren spannenden Erfahrungen. Die Fahrer sind speziell geschult, was den I-PACE auszeichnet und können jederzeit Fragen zum Auto und zum Projekt beantworten.

Auch seitens der Fahrgäste gibt es positives Feedback. Eine schöne Geschichte, die ich in diesem Zusammenhang immer sehr gerne erzähle: Ein Fahrgast, eine Geschäftsfrau auf dem Weg zum Flughafen, war begeistert vom Komfort, dem Fahrgefühl und der hochwertigen Innenausstattung des I-PACE. Der Fahrer konnte ihr dank der Schulung Details zum elektrischen Performance-SUV von Jaguar verraten und hat die Kundin damit zum Fan gemacht. Lange Rede, kurzer Sinn: sie hat sich noch während der Flughafenfahrt ihren eigenen I-PACE bestellt, das ist in der Tat beeindruckend.

Das ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, dass unsere Gäste das Luxusfahrgefühl genießen. Aber auch unsere Fahrer kommen mit „stolzgeschwellter Brust“ zur Arbeit und starten mit einem neuen, positiven Gefühl in ihre Schicht, was uns natürlich sehr freut.

Die vollelektrische Taxiflotte
Zehn Jaguar I-PACE für München – Fotocredit: Gudrun Muschalla

Wie schlägt sich der I-PACE in der Praxis? Welches Feedback bekommen Sie seitens Ihres Teams?

Gregor Beiner: Grundsätzlich ist ein Fahrzeugmodell, das all unsere Anforderungen im Taxibetrieb meistert, auch für beinahe jedes private Alltagsszenario geeignet. Denn gerade wir im Taxigewerbe können hier schnell Erfahrungen sammeln, schließlich spulen unsere Fahrzeuge knapp 100.000 Kilometer im Jahr herunter.

Wir haben auch Hybrid-Modelle mit viel Raum, die allerdings nicht die Qualität des I-PACE bieten. Für uns ist der I-PACE ein hochwertiges Premiummodell mit einem entsprechenden Platzangebot für bequemes Sitzen und viel Stauraum für Gepäck. Hier können bis zu vier Fahrgäste sehr bequem mitgenommen werden.

Der I-PACE deckt eine Reichweite von über 470 km ab, auch im Praxistest. Damit kommen die meisten Fahrer sehr gut zurecht. So oder so ist es jedoch hilfreich, wenn das Netz an Ladestationen, auch an Autobahnen und Tankstellen, weiter ausgebaut wird, damit alle Fahrten durch schnelles Aufladen abgedeckt werden können.

Welche besonderen Anforderungen im Taxibetrieb gibt es?

Florian Hördegen: Das Taxigewerbe war schon immer Vorreiter für Wirtschaftlichkeit in der Flotte. Diese Vorbildfunktion zeigt sich auch im I-PACE Projekt. Es entstehen sozusagen „Probefahrten“ auch für den privaten Bereich, die unterstreichen: Wenn’s in der Taxibranche funktioniert, klappt es überall. Die Leute wollen schließlich auch die Urlaubsfahrt und den Wochenendtrip mit dem eigenen E-Auto unternehmen.

Gregor Beiner: Aus Sicht der Konsumenten ist der Kaufpreis letztlich ein gewichtiges Thema. Fahrzeuge wie der I-PACE sind preislich in der Premiumklasse angesiedelt. Im unteren bis mittleren Preissegment ist Auswahl an Elektrofahrzeugen deutlich geringer. Diese haben außerdem eine wesentlich schwächere Reichweite. Dennoch sehen wir, dass viele von den modernen Elektroautos begeistert sind und Wert auf eine umweltfreundliche Fahrweise legen. Tests im privaten Umfeld mit dem I-PACE zeigen: Das Fahrgefühl und die Beschleunigung sind gigantisch, wer braucht da noch einen Rennwagen? (lacht)

Florian Hördegen: Der Gebrauchtwagenmarkt muss sich noch entwickeln, viele haben noch Vorbehalte bezüglich der Batterien, das zeigen auch Mitgliederanfragen des ADAC. Eine Frage beschäftigt die Autofahrer in Deutschland besonders: Wie ist es um die Batterielebensdauer nach 100.000 Kilometern bestellt?

Gregor Beiner: Die für die Batterie des I-PACE gewährte Garantie erstreckt sich über acht Jahre oder 160.000 km. Diese kann in Anspruch genommen werden, wenn die Leistung der Batterie auf unter 70 Prozent fällt. Im Anschluss daran beginnt das „zweite Leben“ der Batterie in Form eines Energiespeichers.

Welche Ladetechnologie nutzt das MTZ? Wie klappt das Laden im Alltag und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Gregor Beiner: Wir haben fünf der 50-kW-Stationen in unserer Münchner Zentrale installiert, hier dauert das Aufladen knapp anderthalb bis zwei Stunden. Denn nur wenn die Taxen auf der Straße sind, wird Geld verdient. Stehzeiten gilt es daher zu minimieren. Unsere Fahrzeuge sind damit rund 20 Stunden auf der Straße, von Pausen einmal abgesehen. Die Ladung an den fünf Säulen findet zwischen den Schichtwechseln von Tag- auf Nachtschicht und anders herum statt und zwar für alle zehn Fahrzeuge, die versetzt hereinkommen.

Im Gegensatz zum Tanken gibt es bei der Elektromobilität entsprechende Vorgaben für die Ladung der Autos. Die Fahrer-Resonanz ist super, die Kollegen starten den Ladevorgang und damit sind die Fahrzeuge einsatzbereit für die nächste Schicht. Die Umstellung hat für das MTZ geklappt, auch weil wir ein größeres Unternehmen sind, das die Installation der Ladesäulen umsetzen kann.

Gregor Beiner vom Münchner Taxi Zentrum
Gregor Beiner, Geschäftsführer MTZ (Münchner Taxi Zentrum) – Fotocredit: Gudrun Muschalla

Vor welchen Herausforderungen steht die Elektromobilität in Deutschland?

Florian Hördegen: Wir sehen in Deutschland ein stetig steigendes Interesse an Elektromobilität. Der deutsche Autofahrer ist sehr anspruchsvoll, vor allem wenn es um das Thema Reichweite geht. Es muss sichergestellt sein, dass sie problemlos von München nach Hamburg reisen können, und umgekehrt. Daher ist ein großes Ladeinfrastrukturnetz wichtig!

Marktanalysen und Umfragen zeigen zudem: entweder braucht es Ladeoptionen am Wohnort oder beim Arbeitgeber. Die Relevanz öffentlicher Ladestationen ist absolut gegeben, kommt für die meisten aber erst nachgelagert zum Tragen.

Mit welchen Reaktionen und Fragen kommen Ihre Mitglieder auf Sie zu? Gibt es Berührungsängste gegenüber dem Thema Elektromobilität? Wie kann man diesen entgegenwirken?

Florian Hördegen: Wichtige Themen sind die Sicherheit von Elektroautos, der Batterien und das Batterierecycling an sich. Viele Mitglieder wünschen sich Strom aus regenerativen Quellen. Andere sehen die Batterieproduktion kritisch, weil Sie glauben, dass die Ökobilanz in der Produktion verbessert werden könnte.

Gregor Beiner: Ein wichtiger Aspekt ist auch das Thema „Sicherheit im Straßenverkehr“, die eine höhere Aufmerksamkeit der Fahrer von E-Autos erfordert. Fußgänger sind schnell durch Musik oder ihre Smartphone-Nutzung abgelenkt und laufen Gefahr, die leisen Elektroautos schlichtweg zu überhören. Eine Thematik, die wir aber schon seit den Hybrid-Autos kennen. Sounddesign wirkt dieser Problematik entgegen. Dennoch müssen auch Fußgänger auf diese Veränderungen im Straßenverkehr hingewiesen werden.

Herr Hördegen, wie betrachtet der ADAC als Verband das Thema aus der Vogelperspektive? Glauben Sie, dass in fünf Jahren die Mehrheit der Taxen rein elektrisch fahren wird?

Florian Hördegen: Sie kennen das Bonmot „Prognosen sind schwer, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“. Eine stärkere Durchsetzung der E-Mobilität wäre wünschenswert, aber es ist schwer vorherzusagen. Ich gehe davon aus, dass ein Horizont von fünf bis zehn Jahren nötig ist, um größere Veränderungen zu sehen.

Herr Beiner, wie sehen Sie das?

Gregor Beiner: Wir müssen uns definitiv noch mehr mit diesem Thema auseinandersetzen, denn die Konsumenten werden mehr und mehr umsteigen wollen. Ich denke, ein Zeitraum von fünf bis zehn Jahren ist hier durchaus realistisch, um größere Veränderungen auf unseren Straßen zu sehen.

Herr Beiner, Herr Hördegen, vielen Dank für das Gespräch und diesen umfassenden Einblick.

Mit dem I-PACE Taxi durch München

Wenn Sie selbst einmal in den Genuss kommen möchten, in München mit einem Jaguar

I-PACE Taxi gefahren zu werden, können Sie Ihr Taxi telefonisch, per App oder über die Webseite bestellen.

  • Telefonisch erreichen Sie die IsarFunk Taxizentrale unter der Nummer +49 (0)89 450 540. Bitte fragen Sie bei der Bestellung nach dem Jaguar I-PACE.
  • Mobil per App mit taxi.eu (iOS - Apple App Store; Android – Google Play Store). In der App wählen Sie die Option „Green Taxi“ aus, über „Weiter“ und „Bestelloptionen“ können Sie den Jaguar I-PACE bestellen.
  • Die Online-Bestellung ist auch ohne App unter muenchner-taxi-zentrum.de möglich.