Selbstfahrende Autos und ihre Folgen

Der Weg zur automatisierten Mobilität wird bereits geebnet: Jaguar Land Rover und Waymo präsentierten gemeinsam im Rahmen der International Auto Show 2018 den ersten selbstfahrenden Jaguar I-PACE als Herzstück der neuen autonomen Fahrzeugflotte der Alphabet (vormals Google)-Tochter. Darüber hinaus steht Schweden kurz vor der Zulassung von Roboter-LKWs, Österreich will kommendes Jahr den Autopiloten für die Autobahn genehmigen und Automobilunternehmen vervielfachen die Investitionen in elektrische und autonome Technologien. Selbstfahrende Autos können also schon schneller Realität werden, als viele vermuten. Einige Experten gehen sogar davon aus, dass im Jahr 2018 geborene Kinder später keinen Führerschein mehr brauchen werden.

Was sich mit selbstfahrenden Autos alles ändern kann, ist überwältigend und betrifft fast alle Bereiche unseres Lebens. PACESETTER blickt in die Glaskugel und zeigt zehn denkbare Zukunftsszenarien – mal gewagt, mal radikal, mal realistisch.

  1. Kein normaler Mensch kauft mehr Autos

    Das stimmt natürlich so nicht. Die Fahrzeuge könnten allerdings von Unternehmen gekauft oder produziert werden, die ihre Flotte dann als Mobilitätsservice einsetzen. Wenn in diesem Kontext ein Auto benötigt wird, kommt es zum Kunden, transportiert ihn zum Ziel und fährt selbstständig weiter.

  2. Autos werden radikal anders aussehen ­und viel günstiger

    Komplett autonome Fahrzeuge brauchen nicht unbedingt eine herkömmliche Fahrerkabine, sie müssen Unfällen anders Stand halten als heute, je nach Einsatzgebiet weniger aerodynamisch sein und viel leichter werden. Dafür werden wahrscheinlich neue Werkstoffe eingesetzt, möglicherweise Carbon-ähnliche Verbundstoffe aus dem 3D-Drucker. Diese neuen Materialien, weniger Modellvariationen und vor allem viel weniger Einzelteile durch den Wegfall von manuellen Steuereinheiten könnten die Autos sogar günstiger und noch haltbarer machen.

  3. Führerscheine werden langsam aussterben

    Klassische Führerscheine machen in Autos ohne Lenkrad keinen Sinn. Deswegen muss zukünftig die Software der Autos in Tests beweisen, dass sie sicher fährt. Damit verschwinden auch die meisten Verkehrspolizisten, Tempokontrollen und damit sehr viel Bürokratie aus den deutschen Landratsämtern.

  4. Transport sehr günstig bis kostenlos

    Günstige Autos, eigene Software, riesige Flotten, kaum Down-Zeiten – Es wird sehr günstig werden, in ein Roboterauto zu steigen. Denkbar sind auch Modelle, in denen Passagiere während der Fahrt Werbung konsumieren oder zu wenig frequentierten Zeiten fahren und so für den Transport gar nichts zahlen. Oder es gibt Premium-Pakete für Leute, die arbeiten, Filme anschauen oder schlafen.

  5. Tankstellen und Co.

    Heute dominieren Tankstellen, Autoreparaturwerkstätten, Waschanlagen und Autohändler das Straßenbild. Auch in Zukunft wird es sie für die autonomen Flotten und Unternehmen weiterhin geben. Allerdings überwiegend für normale Konsumenten mehr oder weniger unsichtbar als B2B-Service.

  6. Keine Parkplatzsuche mehr

    Das Straßenbild wird sich radikal verändern, da selbstfahrende Autos nicht mehr ungenutzt herumstehen, sondern nach ihrer Nutzung anderen Aufgaben nachgehen. Damit wird ein für viele Jahre anhaltender Umstrukturierungsprozess der frei gewordenen Flächen starten. Die freiwerdenden Parkplätze, Garagen, Parkhäuser und Tankstellen bieten neue Chancen für eine moderne Städteplanung. Denkbar sind auch Haltestellen zum Ein- und Aussteigen. Die lästige Parkplatzsuche kann damit der Vergangenheit angehören.

  7. Ampeln werden überflüssig

    Empfindliche Sensoren, möglicherweise Radar und Infrarot, erfassen die Umgebung schneller und genauer als das ein Mensch je könnte. Alle Autos kommunizieren untereinander und mit allen wichtigen Objekten in ihrer Umgebung, als wären sie ein einziger großer Organismus. Externe Lichtsignale zur Verkehrssteuerung wären hier eher hinderlich.

  8. Keine Staus

    Sobald der Passagier losfährt, weiß er sehr genau, wann er ankommt. Auch wenn die Autos insgesamt deutlich langsamer fahren werden als heute, wird zumindest in urbanen Gebieten die Transportzeit abnehmen, da es keine Staus, keine Ampeln, keine Parkplatzsuche und nur sehr selten ungeplante Zwischenfälle gibt. Im Endeffekt können wir alle damit mehr Zeit gewinnen.

  9. Strom wird noch wichtiger

    Eine Flotte vollelektrischer Autos braucht viel Strom. Deswegen könnten die Unternehmen, denen diese Flotten gehören, auf lokale Zulieferer angewiesen sein. Viele kleine und mittlere Unternehmen werden die Chance nutzen und über Solarpanels und Windräder gewonnen Strom an diese Unternehmen verkaufen.
    Gleichzeitig nimmt wahrscheinlich über kurz oder lang die Nachfrage und damit der Wert von Öl ab. Auswirkungen auf die Weltordnung sind damit nicht ausgeschlossen.

  10. Weniger Unfälle

    Egal, ob als Fußgänger, Fahrradfahrer oder Passagier – Roboterautos werden viel sicherer sein als unsere manuell gesteuerten Autos. Die Fahrzeuge werden unzählige Sensoren haben und mögliche Gefahren bereits deutlich eher erkennen und umgehen, als ein Mensch es je könnte. Da die Autos in Echtzeit miteinander kommunizieren, warnen sie sich auch gegenseitig vor Unfällen und reagieren in Bruchteilen von Sekunden perfekt aufeinander abgestimmt. Es wird weiterhin Autounfälle geben, doch viel, viel weniger.

Fazit

Autonome Mobilität ist Teil der fortschreitenden Digitalisierung, die als vierte industrielle Revolution gesehen wird. Viele Experten gehen davon aus, dass sie, ähnlich wie die Transformationen vor ihr, tiefgreifende Auswirkungen auf Wirtschaft und soziale Verhältnisse haben wird. Denn eines haben die bisherigen industriellen Revolutionen gemein: Im Verlauf gewannen die Menschen an Lebensqualität und der durchschnittliche Lebensstandard stieg. Hoffen wir, dass es diesmal auch so ist.