Alte Spielzeugautos erstrahlen in neuem Glanz

Den Spielzeugautos unserer Kindheit fehlt vielleicht eine Tür, sie sind verbeult, zerkratzt und eiern eher, als dass sie fahren – aber sie wurden geliebt und vehement gegen Freunde und Geschwister verteidigt. Fotograf und Künstler Christian Blanck widmet sich mit Kinderzimmerhelden eben jenen Stars unserer Kindheit und setzt sie gekonnt in Szene. Wir haben mit dem Stuttgarter über seine Arbeit und die Liebe zum Automobil – egal, ob klein oder groß – gesprochen.

 

  1. Was ist bzw. sind Kinderzimmerhelden?

Kinderzimmerhelden sind eine Zeitreise zurück in die eigene Kindheit – vollgepackt mit Emotionen. Aktuell vor allem eine Reise in die Welt der Spielzeugautos. Wer mit Autos gespielt hat, wird sich sehr schnell an einen automobilen Helden zurückerinnern. An schöne Erinnerungen, aber vielleicht auch an Tränen und Wut, weil das liebste Auto verloren gegangen ist oder mutwillig vom kleinen Bruder zerstört wurde. Aber eines bleibt dabei immer: Die Erinnerung an die Helden von einst, an Macken und Kratzer. Und das ist heute immer eine kleine Geschichte wert, die ich versuche mit Kinderzimmerhelden festzuhalten. Visuell, aber auch als Erzählung. 

F-Type
F-Type – Fotocredit: Christian Blanck / Kinderzimmerhelden
  1. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Mein Sohn war damals zwei (heute acht) und wir haben von meiner Mutter meine alten Spielzeugautos vor die Tür gestellt bekommen. Niklas Augen haben geglänzt, ich glaube fast, meine noch mehr. Es war wie ein Wiedersehen mit alten Kumpels. Jahrzehnte aus den Augen verloren, aber es war dann eigentlich alles wie immer: Die Bilder und Geschichten waren sofort wieder da. Und dann haben wir zu Hause damit gespielt. Wilde Rennen gefahren. Türme gebaut. Stadtkinder spielen Stau. Und brav alles schön dokumentiert. Der Zündschlüssel war somit umgedreht und die Reise konnte beginnen. Jetzt gibt es schon drei Bücher, diverse Kalender und etliche Produkte (dieses Jahr haben wir ein ziemlich cooles Longboard mit einem Partner entwickelt) oder Bildkunst. Auch drei Auszeichnungen durfte ich schon entgegennehmen. 2019 wird wieder einiges neu passieren. Irgendwie verrückt, ich bin ja in diesem Umfeld noch sehr frisch und neu dabei. Es macht aber wahnsinnig viel Spaß. Vielleicht ja der Startschuss, mit der schönsten englischen Raubkatze ein paar tolle Sachen in Zukunft zu machen...

Always beautiful
Always beautiful – Fotocredit: Christian Blanck / Kinderzimmerhelden
  1. Wie können sich unsere Leser ein Shooting bzw. eine Fotoproduktion vorstellen?

Ziemlich entspannt. Keep it simple. Keine hochkomplexen technischen Einstellungen, keine teuren Studios, nur meine Sony Alpha 7, die ich mir dafür gegönnt habe. Dann raus bei bester Sonne, die weiße Rückwand und das weiße Papier in der Hand. Los geht’s! Am liebsten um 12 Uhr mittags. Wenn andere Fotografen flüchten, dann shoote ich am liebsten mit meinen beiden Juniorchefs. So entstehen die schönsten Momente. 

Klassiker
Klassiker – Fotocredit: Christian Blanck / Kinderzimmerhelden
  1. Woher kommen die „Modells“ und Motive? Was ist deine Inspiration?

Begonnen habe ich vor allem mit meiner eigenen Sammlung. Ich hatte bestimmt 200 Helden zu Beginn vor der Linse, aber die Buschtrommeln im Kindergarten und bei Freunden haben fantastisch funktioniert. Ich habe sehr viele Heldengeschichten so erfahren dürfen und die Autos dazu bekommen. Opas aus der Kita, Kinder, aber auch fantastische Sammler unterstützen mich immer wieder. Mittlerweile bekomme ich sogar ganze Kisten geschickt, da die Besitzer selbst keine Verwendung haben, aber erkennen, hier sind die Autos in guten Händen. Motive entstehen oft durch besondere Modelle. Kürzlich durfte ich einen VW Käfer von 1936 fotografieren oder einen Rennwagen, der im Luganer See beim Tauchgang gefunden wurde. Das sind dann die besten Geschichten. Natürlich sind auch Kratzer, Beulen, Formen und Farben ganz wichtig, die bei den heutigen Spielzeugautos nicht mehr so kreativ umgesetzt werden wie in den 70er Jahren. Der E-Type beispielsweise hat diese fantastische, unverkennbare Form. Perfekt für die elf Uhr Sonne, das ergibt den perfekten Schattenwurf.

Matsch
Matsch – Fotocredit: Christian Blanck / Kinderzimmerhelden
  1. Assistieren dir deine Kids bei der Arbeit oder sind die Autos rein professionell im Einsatz?

Natürlich sind sie oft dabei und die Bestimmer. Sie wählen sorgfältig die Modelle aus, spielen ihre eigenen Geschichten und versuchen mir bei der Auswahl zu helfen. Die Rallyefahrt des F-PACE hier bei den Motiven ist ein schönes Beispiel. Die Jungs sind durch die Piste gefahren, jedes Schlammloch im Garten wurde mitgenommen und dann ab auf die Bühne damit. Den hat dann sogar mein älterer Sohn Niklas fotografiert, er hat dafür meine alte Kamera geschenkt bekommen. Ist ein schöner Schuss geworden und musste unbedingt mit in die Auswahl! 

Helping Friends
Helping Friends – Fotocredit: Christian Blanck / Kinderzimmerhelden
  1. Erzähl uns doch etwas zur Zusammenarbeit mit Jaguar, was war deine Intention, was hast du dir bei den Motiven/bei der Kampagne gedacht?

Für mich war und ist die Raubkatze schon immer eines der schönsten und elegantesten Tiere, die es auf unserer Erde gibt. Sie ist einzigartig. So wie die Form des E-Types. Sie strahlt genau das aus, wofür der Jaguar als Tier für mich steht. Elegant. Sportlich. Aber auch irgendwie wild. Und vor allem unverkennbar. Jetzt eine Serie unterschiedlichster Generationen der Jaguar Welt zu fotografieren, die auch Makel haben dürfen, da es ja Spielzeugautos sind, finde ich großartig. Denn damit betont in meinen Augen die Automarke, wie sehr man sich über das Design und die Form definiert. Patina ist kein Tabu, der Klassikerstatus ist dem Modell aber dennoch sicher. „Always beautiful“, wie ich in einem Motiv auch deutlich mache. Und Jaguar zeigt immer wieder mit seinen Modellen spannende Kanten. Das war früher schon so oder auch beim aktuellen F-Type! Die Jaguar Großfamilie zu fotografieren, war daher ein großer Spaß!

Kinderzimmerhelden liebevoll fotografiert
Colorful I-PACE – Fotocredit: Christian Blanck / Kinderzimmerhelden
  1. Wie stehst du zum Thema Elektromobilität? Was muss ein E-Auto für dich können/mitbringen?

Ich fahre oft Elektroautos, aber nicht mein eigenes. Bisher nutze ich fleißig die Angebote eines Carsharing-Anbieters, der in Stuttgart nur elektrische Fahrzeuge in der Flotte hat. Es macht natürlich Spaß, ein Elektroauto zu fahren. Reichweite empfinde ich aktuell als wichtiges Thema. Als reines Stadtauto sicher weniger ein Problem, aber irgendwann möchte man ja auch mit dem Elektroauto verreisen. Da ist sicher noch Luft nach oben in der Entwicklung.
Aber vor allem erhoffe ich mir, dass alle Beteiligten endlich erkennen, dass wir noch mehr solche Lösungen in der Mobilität brauchen. Die Hersteller zeigen ja jedes Jahr immer mehr, dass sie die Herausforderungen der Elektromobilität ernst nehmen und nach Lösungen suchen. Ich würde mir aber auch wünschen, dass die Kommunen nicht immer nur mit dem Finger auf die eine Seite zeigen, denn der Ausbau der Strominfrastruktur steckt in vielen Städten noch ziemlich in den Kinderschuhen. In Deutschland, aber vor allem in ganz Europa. Menschen in der Stadt haben oftmals keine eigene Garage und Zugang zum eigenen Strom. Da befürchte ich, dass Warteschlangen und Staus an Stromsäulen vorprogrammiert sind ...

 

Cool Heros
Cool Heros – Fotocredit: Christian Blanck / Kinderzimmerhelden

Awards

2016:             International Gregor Calendar Award

2017:             International Gregor Calendar Award

2018:             International Gregor Calendar Award

Ausstellungen
2017:             Photofair Shanghai

2018:             Affordable Art Fair Hong Kong